Eichenprozessionsspinner – die Plagegeister des Frühlings

Kaum lässt die Sonne sich wieder einmal länger blicken und heizt dem Winter endlich ein, da beginnt es mit unbändiger Macht zu grünen und zu blühen, zu krabbeln und zu kriechen. Die Vögel trällern lautstark ihre Rückkehr ins Land hinaus und auch andere Wald- und Wiesenbewohner räkeln und recken sich.

Neue Gefahr für unsere Hunde!

Zu Zecke und Milbe gesellt sich seit wenigen Jahren noch ein anderer Plagegeist, der Hundehalter in Alarmbereitschaft versetzt: die mit üblen Brennhaaren ausgestattete Raupe des Eichenprozessionsspinners (Thaumetopoea processionea). Eingewandert aus Spanien, Portugal und Frankreich, macht sich diese Falterart daran, die Eichenwälder (vereinzelt auch Buchen) im Norden Europas zu erobern. Die großflächigen, zuckerwatteähnlichen Gespinste, die Bäume und Sträucher einhüllen, sind ein untrügliches Anzeichen für die Anwesenheit des giftigen Eindringlings. Noch bevor die Raupen sich einspinnen, sorgen sie schon auf ihren langen Wanderungen aus und in ihre Wipfel Nester für reichlich Unmut.

Mit dem Austreiben der Blätter Ende April/Anfang Mai beginnen die Larven des Eichenprozessionsspinners zu schlüpfen und sich dann in wahren Prozessionen (daher der Name) auf Futtersuche zu begeben. Bis aus der stark behaarten Raupe der unscheinbare braungraue Falter geworden ist, hat sie sechs Entwicklungsstadien durchlaufen. Ab der dritten Phase trägt sie ihr üppiges, giftiges Haarkleid. Die unzähligen feinen Härchen enthalten das Eiweiß Gift: Thaumetopoein, das allergische Reaktionen wie einen heftig juckenden Hautausschlag (Raupendermatitis), Augenreizungen, asthmatische Anfälle, aber auch Allgemeinsymptome wie Benommenheit, Schwindel oder Fieber auslösen kann.

In den meisten Fällen verlaufen die Kontakte zwar unangenehm, sind jedoch von eher einfacher Art. Leider endet die Gefahr nicht mit der Verpuppung der Raupen, denn auch in den Gespinsten stecken die fiesen Brennhaare und diese werden, oftmals nach Jahren noch und zu anderen Jahreszeiten, vom Wind umher gewirbelt und gehen dann mitunter wie ein regelrechter Giftpfeilhagel auf Mensch und Tier nieder.

Was ist nach einem Kontakt mit den Brennhaaren zu tun?

Vermehrt werden auch Schleimhautverätzungen bei Hunden gemeldet, deren allzu intensiver Kontakt mit Raupen und Gespinsten sogar zu verbrennungsähnlichen Verletzungen an Nase und Zunge führen können. Vorsorgemaßnahmen: Meidung der vom Eichenprozessionsspinner befallenen Gebiete (unbedingt die Warnhinweise beachten!) oder sogar Maulkorb verwenden.

Während der Zweibeiner sich wohlweislich von den beschriebenen Zuckerwatte-Spinnereien fernhält, streunt der Vierbeiner schon mal daran entlang oder sogar hindurch oder betrachtet die in langen Prozessionen wandernden Puschel Raupen genauer – mit unangenehmen Folgen. Auch wenn der nächste Tierarzt weiß, wie er dann dem vierbeinigen Patienten Linderung und Heilung verschaffen kann, steht der veterinärmedizinisch weniger bewanderte Zweibeiner zunächst recht hilflos seinem winselnden und jaulendem Hund gegenüber. Leider gibt es nur weniges, was im ersten Moment getan werden kann.

Wichtig!

Bevor nun der Halter die möglicherweise noch am Hund befindlichen Raupenhärchen oder Gespinstreste entfernt, muss er sich selber gegen die Brennhaare schützen! Umwickeln Sie deshalb Ihre Hände mit Jacke oder T-Shirt und halten Sie sich dann nach Möglichkeit eine Hand vor Mund und Nase, während Sie mit der anderen Hand die Raupenhaare von Ihrem Hund abstreifen. Eine Spülung mit Wasser wäre ideal! Ein naher Bach oder See kann Abhilfe schaffen.

Nachbehandlung:

Vor dem nun wahrscheinlich fälligen Tierarztbesuch verstauen Sie die verwendeten, mit Raupenhaaren behafteten Kleidungsstücke am besten in einem undurchlässigen Beutel oder wickeln Sie sie in ein anderes Kleidungsstück ein, bis Sie zu Hause angekommen sind und dann alle Kleidungsstücke sofort in die Waschmaschine stecken, um die Raupenhärchen los zu werden. Schuhe, Leine, Halsband oder Geschirr müssen ebenfalls genauestens inspiziert und gereinigt werden. Eine anschließende Dusche mit Haarwäsche verhindert, dass sie die Giftfusseln auch noch auf Ihrem Kopfkissen finden.

Gut gerüstet ist gut und sicher gewandert:

Auf längeren Outdoor-Touren sollen immer dabei sein: Wasser und Zeckenzange oder –karte. Nur wenig mehr Platz benötigen Sie außerdem für ein Paar Einweghandschuhe, einen Müllbeutel und einen Mundschutz (gibt es für kleines Geld in der Apotheke). Besprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, ob und wann es sinnvoll ist, eine Kortisonhaltige Notfallsalbe mitzunehmen und wie diese dann anzuwenden ist.

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